Phonetik/Ausspracheschulung beinhaltet zwei große Teilbereiche: die Intonation und die Artikulation. Beide Bereiche müssen trainiert werden! Gerade der intonatorische Bereich ist maßgeblich mitentscheidend für Sympathie oder Antipathie zwischen den Sprechenden und dafür, wie wir uns gegenseitig einschätzen (als kompetent, nicht kompetent, interessant, langweilig, hysterisch…).
Beide Bereiche können bei starker Fehlerhaftigkeit bzw. bei sehr untypischer Aussprache beim muttersprachlichen Gegenüber zu Ungeduld führen, sogar bis zum Gesprächsabbruch.
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Preis für Innovation
Meine Methode Intonation über Rhythmus und Klang wurde mit dem Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung des DIE ausgezeichnet.
Intonation
Die Musik der Sprache – oder: Der Ton macht die Musik!
Für die Intonation nutze ich eine Trommel und andere Perkussionsinstrumente als Hörverstärker, für die Melodieführung habe ich für mein Projekt: „Intonation über Rhythmus und Klang“ eine Posaune eingesetzt, des Weiteren auch Summübungen. Mit Hilfe von Körperbewegungen wie klatschen, gehen, stampfen, Melodiebewegungen mit dem Arm in die Luft malen verdeutliche ich ganz konkret, was in der Sprache passiert.
Artikulation
Phonetik ist Sport! Es geht darum, Muskeln zu trainieren bzw. neu zusammen spielen zu lassen. Über eine Art von mundmotorischer Gymnastik, die den für Deutsch typischen Grad der Mundöffnung, die Lippenspannung und die Zungenposition einübt, kommen wir zur Lautbildung.
Auch für die Artikulation nutze ich zielgerichtete Bewegungen bzw. unterschiedliche Materialien, wie man hier an diesen Videos sehen kann und auch auf den Videos auf der DVD im Band DaF unterrichten.
Was ist das Besondere an der Methode Sandra Kroemer?
Phonetik in Kontexte integriert
Um Zeit zu sparen, nutze ich nicht so viele Extra-Phonetikaufgaben, sondern integriere die Phonetik in den laufenden Unterricht, das Thema der Stunde, den Wortschatz, die Dialoge/ Texte – kurz: in andere Fertigkeiten. Das erhöht für die Lernenden auch meistens die Motivation. Ich gehe vom Kontext und der Mitteilungsabsicht aus, nicht in erster Linie vom phonetischen Problem.

Phonetik als System
Die Methode Sandra Kroemer ist wahrscheinlich bundesweit die einzige, die einen komplett systematischen Zugang zur und Aufbau der Phonetik anbietet – trotzdem bleibt die Methode mit jedem Lehrwerk und Sprachniveau kompatibel. Das beinhaltet auch einen Vorschlag einer Progression der phonetischen Themen in gemischtsprachigen Kursen. Denn: auch in der Phonetik hängen die Themen voneinander ab und bauen aufeinander auf – nicht nur in der Grammatik. Damit biete ich einen systematischen Ansatz, den Lehrwerke oft nicht erkennen lassen.

Sensibilisieren für das phonetische Phänomen
Das ist z.B. möglich darüber, dass man Hörverstärker wie z.B. die Trommel und andere Perkussions- oder Musikinstrumente nutzt und/ oder Bewegungen an den entsprechenden Stellen zeigt, an denen das phonetische Phänomen erscheint, dass den Lernenden ins Bewusstsein gebracht werden soll.

Unterstützende Bewegungen und das Erspüren in Kombination mit dem Hören nutzen
Viele Menschen sind als Erwachsene zunächst nicht mehr in der Lage, die Laute einer anderen Sprache über das Hören zu differenzieren. Deshalb arbeite ich selten mit den typischen expliziten Hörübungen in Lehrwerken, sondern mit unterstützenden Bewegungen und Materialien, sowohl für die Intonation als auch für die Artikulation, zum Teil ähnlich wie in der Sprecherziehung oder Logopädie. Ich nutze zielgerichtete Bewegungen, die die Aussprache unterstützen – dabei sollte es für jedes neue phonetische Thema auch eine neue Bewegung geben. Denn die Bewegung soll im Gehirn der Lernenden mit diesem Phänomen „verankert“ sein. Das ist auch für kontrastive Lautarbeit nützlich, dann gibt es nämlich nicht nur zwei kontrastierende Laute, sondern auch zwei unterschiedliche Bewegungen, die das Gehirn „zwingen“ zu differenzieren. Außerdem kann das Andeuten der Bewegung durch die Lehrkraft als nonverbale Korrektur bei den Lernenden dienen.

Markieren und Visualisieren in Dialogen bzw. Texten
Das Markieren und Visualisieren des phonetischen Aspektes in Dialogen und Texten spielt eine zentrale Rolle in meiner Methode. Ich habe oft Lernende, mit denen ich das IPA nicht nutzen kann, also habe ich einfachere Visualisierungen entwickelt, eine andere Art von „phonetischer Schrift“, die sukzessive eingeführt wird. Jedes phonetische Thema bekommt also nicht nur eine Bewegung, sondern auch eine jeweils andere Visualisierung zugeordnet. Wenn die Lernenden das Phänomen dann selbst in Dialogen oder Texten suchen und markieren sollen, geht es um die Kognitivierung, das Anwenden von Regeln. Dabei kann ich als Lehrkraft auch erkennen, ob die Regeln verstanden sind.

Markierte Texte mit der begleitenden Bewegung sprechen
Danach werden die markierten Texte mit begleitenden Bewegungen gesprochen, dabei steht immer nur ein phonetischer Aspekt im Vordergrund.

Freies Sprechen mit begleitender Bewegung
Wenn die Lernenden neben der inhaltlichen mündlichen Produktion auch an eine Bewegung für die Phonetik denken sollen, vergessen sie diese nicht so schnell, die Bewegung „zwingt“ sie sozusagen dazu, während des freien Sprechens ständig auch über die Phonetik nachzudenken – was ansonsten beim freien Sprechen oft verloren geht.

Die Methode ist also eine Synthese aus musikalischen Elementen, unterstützenden Bewegungen, Regeln, Visualisierung, Hören
… kurz: der Versuch, möglichst alle Sinne einzusetzen.
Als „Formel“ zusammengefasst könnte man sagen:
- Sensibilisieren für das phonetische Thema
- Visualisieren in Dialogen/ Texten markieren
- das phonetische Thema beim Sprechen mit unterstützenden Bewegungen begleiten beim lauten Lesen von Texten und beim freien Sprechen
Auch die Lernvideos in der Community sind nach dieser Methode aufgebaut. Sie bekommen neben den Erklärvideos auch Aufgaben zum Üben: Texte für die Visualisierungen und begleitende Bewegungen – und davon natürlich auch die Lösungen bzw. die Lösungsvideos. Und diese Methode können Sie dann auch auf andere, selbst gewählte Texte übertragen und auf das freie Sprechen.
Im Einzelunterricht Phonetik arbeite ich auch viel mit der Analyse und Auswertung von Aufnahmen.
Viel Freude und Erfolg bei der Arbeit und dem Lernen mit dieser Methode!